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Rede im Rahmen der Trauerfeier für den verstorbenen Landtagsabgeordneten Uwe Inselmann

am 13. Dezember 2002 in St. Johannis, Lüneburg

Liebe Frau von der Marwitz-Inselmann!
Liebe Kinder!
Verehrte Familie und Angehörige des Verstorbenen!
Verehrte Trauergemeinde!

Seit dem letzten Sonnabend, als sich die Nachricht vom Tode Uwe Inselmanns verbreitete, geht Ratlosigkeit, Bestürzung und Trauer auch durch die Reihen der Landespolitik.

Uwe Inselmann stand in der ersten Reihe der Auseinandersetzungen, war erkennbar und im Landtag hoch geachtet. Es ist immer ein Verlust, wenn ein kompetenter Kollege, der sich nicht scheute, in die Details zu gehen, nicht mehr da ist und mitarbeitet. Aber am meisten treibt wohl alle um, warum dieser Tod so früh kam.

Wir sind es gewohnt, nach dem Sinn des Lebens zu fragen. Bei einem 44-Jährigen, der sein gesamtes Jugend- und Erwachsenenleben der Politik verschrieben hatte, drängt sich die Frage nach dem Sinn des Todes auf. Es kann keinen Sinn geben, eine junge Frau und drei kleine Kinder in solch unendlicher Trauer zurückzulassen.

Wir müssen es hinnehmen und ahnen (in einem kirchlichen Raum liegt der Gedanke nahe), dass die Antwort verborgen bleibt und bei einem Anderen liegt.

Uwe Inselmanns Leben ist vollendet, und wir haben dennoch das Gefühl, dass es unvollendet blieb. Was hat man nicht, wenn man in den 40ern steht und Politik macht, für Hoffnungen, Pläne und vorwärts drängenden Mut! Uwe Inselmann hatte viel davon.

Er schonte sich nicht, hing auch den kleinsten Problemen nach und gab sich nicht zufrieden, bevor er nicht mit den Betroffenen über seine politischen Absichten und Entscheidungen gesprochen hatte. Das war bei den Fragen zum Wattenmeer genau so wie beim Harz oder beim Biosphärenreservat Elbtalaue.

Er erfüllte die Erwartungen, die man heutzutage an einen demokratischen Politiker stellt. Er mochte die Menschen, ging auf sie zu, stritt und lachte, konnte sich zurücknehmen, aber auch austeilen. Und dies kostete alles viel Zeit, die natürlich der Familie nicht gegeben werden konnte.

Die meisten Menschen machen sich keine Vorstellung davon, welche Zeitnot und wie viel schlechtes Gewissen entstehen, wenn man seriös und leidenschaftlich Politik betreibt - und gleichzeitig seine Familie liebt und auch ihr gerecht werden will.

Beim Nachdenken über Uwe Inselmanns so lobenswertes Verhalten nagt der Zweifel darüber, ob man nicht zu viel einsetzt. Für sein Herz war offensichtlich die Daueranstrengung der letzten Monate, gepaart mit der Ungewissheit vor jeder Wahl und einem strapaziösen körperlichen Fitnessprogramm, zu viel.

Symbolisch ist es fast kaum zu überbieten: Bei einer Weihnachtsfeier, dem größten Hoffnungsfest, gleichsam auf offener Bühne vom Tod geholt zu werden.

In der Todesanzeige der Familie wird Augustin mit dem Satz zitiert: „Und wenn dich der Tod nicht als Sieger antrifft, soll er dich wenigstens als Kämpfer finden“.

Das ist fast ein trotziger Satz, aber sehr charakteristisch für Uwe Inselmann.

Wir sagen es so leichthin: „Wir werden ihn in guter Erinnerung behalten“, und meinen es auch ehrlich. Aber was heißt dies im flüchtigsten und unstetesten Medium dieser Welt, der Politik, wo in jeder Minute etwas anderes geschieht und unsere Aufmerksamkeit verlangt?

Uwe Inselmanns ist Vorbild und Warnung zugleich:
seine Freundlichkeit war ansteckend – und sollte weiterwirken;
seine Sachlichkeit war unbestechlich – und sollte jeder leichtfertigen Rede den Garaus machen;
seine Leidenschaft war unübersehbar – und sollte nicht verloren sein; aber sein Pflichtgefühl war so groß, dass er kaum Nein sagen konnte.

Dieser Tod zeigt, das alles was wir im Leben wollen und tun, nicht das Letzte, sondern das Vorletzte sein kann.